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Messen: Bremen Classic Motorshow, Teil 1: "Die Schatzkammer von Karmann"

Beigetragen von uwe.s am Feb 06, 2017 - 08:18 PM

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„Die Schatzkammer von Karmann“ – so lautete in diesem Jahr das Motto der Sonderschau auf der diesjährigen Bremen Classic Motorshow. Damit war für alle Osnabrücker Oldtimerfreunde der Besuch der ersten Messe in diesem Jahr quasi eine Pflichtveranstaltung. In diesem ersten Teil des „Reiseberichts“ zeigen wir ausschließlich Fahrzeuge der Sonderausstellung und weitere ausgestellte Fahrzeug, die einst bei Karmann vom Band liefen. Ob es nur an den Karmann-Fahrzeugen lag, dass es in diesem Jahr so voll war, wissen wir nicht. Aber bis zum frühen Nachmittag des Samstags war es „rappelvoll“, erst später konnte man wieder entspannter Fotos „schießen“…

 

Dürkopp ND 10/24 PS Doppelphaeton, 1909. Die Dürkopp-Werke waren der erste große Kunde der noch jungen Karosseriefirma Karmann in Osnabrück. Bereits 1902 erhielt Karmann den ersten Auftrag aus dem nahen Bielefeld. Dieses Fahrzeug stammt aus dem Jahr 1909. Die Bezeichnung „Doppelphaeton“ steht für einen Wagenaufbau mit Seitentüren, zwei vorwärts gerichteten Sitzreihen und einem zu öffnenden Verdeck – das hat eine Jahrzehnte später ein Automobilkonzern wohl übersehen, als er eine geschlossene Luxuslimousine als „Phaeton“ auf den Markt brachte. Zurück zum Dürkopp: Das numerische Kürzel 10/24 PS steht für die Motorleistung von 24 PS, aber auch für den Hubraum von ca. 2,6 Litern, beziffert als zehn Steuer-PS. 1962 kam der Dürkopp aus der DDR, wechselte mehrfach den Besitzer und gelangte 1985 zurück zu Dürkopp, seit 1990 die Dürkopp Adler AG. Seit 1927 baut e Dürkopp übrigens keine Automobile mehr. Dieser Dürkopp gilt als das älteste noch existierende Automobil mit einem Karmann-Aufbau.

Adler Diplomat Cabriolet, 1937. Adler war in den 30’er Jahren einer der größten deutschen Automobilproduzenten und der größte Kunde von Karmann in der Vorkriegszeit. Das rot/schwarze Cabriolet ist ein repräsentatives und beeindruckendes Fahrzeug, dass sich hinter den damaligen Modellen von Mercedes-Benz, Horch oder Wanderer nicht verstecken musste. Der Diplomat hat einen Sechszylinder-Reihenmotor mit 2.185 ccm Hubraum und 60 PS. Es ist heute Bestandteil der ehemaligen Karmann-Fahrzeugsammlung (heute Automobilsammlung Volkswagen Osnabrück).

Ford Eifel Roadster, 1939. Zwischen 1937 und 1940 wurde bei Karmann auf Basis des eher pummeligen Ford Eifel ein schicker Roadster gebaut. Insgesamt rund 800 Exemplare entstanden in Osnabrück.

Hanomag Partner, 1951. Mit dem bei Karmann entworfenen Partner versuchte Hanomag, nach dem Krieg wieder eine Automobilproduktion zu starten. Doch auf der Frankfurter IAA 1951 fiel das Fahrzeug bei Fachjournalisten und Besuchern durch. Darauf ließ Hanomag alle Prototypen verschrotten. Doch dieses Fahrzeug überlebte und gehört heute zur Sammlung von Volkswagen Osnabrück.

VW Karmann Ghia Prototyp, 1953. Er ist der Wagen, der endlich auch den Namen „Karmann“ offiziell tragen durfte: Der Karmann Ghia. Er entstammt der Zusammenarbeit von Wilhelm Karmann jun., der auf den VW Käfer eine sportliche Karosserie setzen wollte, und Luigi Segre, dem Besitzer der Carozzeria Ghia. Er entwarf die elegante Karosserie. 1953 wurde er dem VW-Chef Heinz Nordhoff präsentiert und dieser gab trotz einiger Bedenken „grünes Licht“ für die Serienfertigung. 1955 kam der Karmann Ghia auf den Markt und wurde ein großer Erfolg. 1957 folgte das Cabriolet. Auch dieses Fahrzeug steht in der VW-Sammlung Osnabrück.

Volkswagen Typ 3 1500 Cabriolet, 1961. Auch vom neuen VW Typ 3 entwickelte Karmann sofort ein Cabriolet. Die viersitzige offene Version gefiel, Verkaufsprospekte sollen bereits gedruckt worden sein, als Wolfsburg den Daumen nach unten senkte. Verwindungsprobleme der Karosserie sollen der Grund gewesen sein.

Karmann Designstudie, 1961. Zusammen mit Luigi Segre entwickelte Karmann diese Designstudie. Sie zitiert an vielen Stellen das Karmann Ghia-Coupé, doch die großzügige Verglasung, die filigranen Dachpfosten und der Verzicht auf die klassische C-Säule waren sehr fortschrittlich.

Volkswagen Typ 34 Schrägheck, 1965. Auch dieser Entwurf von Karmann für eine Schrägheckversion des Karmann Ghia Typ 34 bliebt ein Einzelstück und gelangte nicht in die Serienfertigung. Die Zeit war noch nicht reif für große Heckklappen.

Karmann Ghia Typ 1 Designstudie, 1965. Diese Studie entstand wieder in einer Zusammenarbeit von Karmann und der Carozzeria Ghia. Mit fester Gürtellinie, einer glattflächigen Front mit integrierten Scheinwerferabdeckungen und einem flachen, betont gradlinigem Heck wirkt die Studie vergleichsweise modern.

Opel Commodore Cabriolet, 1967. Als der neue Commodore auf den Markt kam, baute Cabriolet-Spezialist Karmann sofort ein Fahrzeug. Wie gewohnt entstand ein viersitziges vollwertiges Cabriolet mit hinten versenkbaren Seitenscheiben und einem elektrohydraulischen Verdeckgestänge – was die Konkurrenz nicht bieten konnte. Allerdings hatte dieser Aufwand auch seinen Preis – und daran scheiterte letztendlich die Serienproduktion.

Opel Diplomat V8 Coupé, 1967. Dieses Coupé ist ein absoluter Traumwagen der 60’er Jahre. Angetrieben wurde das elegante Coupé vom 5,4-Liter-V8 aus der Corvette, die 230 PS brachten den Wagen auf max. 206 km/h. Doch der Wagen hatte seinen Preis, für 12.500 DM erhielt man damals auch zweieinhalb Opel Kapitän. Insgesamt wurden daher nur 347 Exemplare im Karmann-Werk Rheine gebaut. Dieses Coupé lief als letztes vom Band und gehört heute dem Vorstandsvorsitzenden der Adam Opel AG.

Opel Manta Cabriolet, 1971. Gebaut als serienmäßiger Opel Manta SR. Karmann baute ihn um, in der Hoffnung, dass Opel die offene Version gefällt. Doch keine Zustimmung aus Rüsselsheim. Fahrzeug wurde an ältere Dame verkauft, schwerer Unfall, Wagen sollte verschrottet werden. Doch Verwerter baute ihn wieder auf. Student entdeckte und erwarb ihn. Dann zwei weitere Unfälle, Komplettrestauration. Noch heute im Besitz des ehemaligen Studenten.

Audi Karmann Pik As, 1973. Auf Basis des Audi 80 schuf Giorgetto Giugiaro, Besitzer von Ital Design, diese sehr moderne Karosserie. Die Stilstudie setzte auf klare Kante: gerade Linie, eine Komposition aus Keilen und Trapezen, dazu ein Cockpit wie aus einem Science-Fiction Film. Für die Insassen wäre eine Fahrt nicht sonderlich bequem gewesen. Die Front- und Seitenscheiben waren so extrem schräg gestellt, dass die Köpfe und Schulterbereiche der Besatzung regelrecht arretiert wurden. Es blieb daher bei dieser Studie. Giugiaro schuf übrigens auch den VW Golf und den von Karmann gebauten Scirocco. Der Karmann Pik As gehört zur Osnabrücker VW-Sammlung.

Aber nicht nur im Bereich der Sonderausstellung waren Fahrzeuge des Osnabrücker Karosseriebauers zu sehen. Der Adler-Motor-Veteranen-Club Deutschland eV. präsentierte auf seinem Stand u.a. einen Adler 2,5 Liter „Autobahn“ (Typ 10). Dieses stromlinienförmige Cabriolet entstand in osnabrück sowohl als zwei- und als viersitziges Cabriolet. Der 2,5 Liter „Autobahn“ hatte einen Reihen-Sechszylinder mit 2.494 ccm Hubraum und 58 PS. Die Brezelfenstervereinigung e.V. zeigte ein VW Käfer Cabriolet aus dem Jahr 1955.

Die Autostadt Wolfsburg präsentierte ein Karmann Ghia-Coupé (1968), einen Karmann GF Buggy (1971), einen VW-Porsche 914 1.7 (1972), ein VW 1303 Cabriolet (1979), ein VW Golf I Cabriolet (1980), einen VW Corrado G60 (1991) und ein Golf III Cabriolet. Und viele weitere Clubs und Händler hatten mindestens ein Fahrzeug aus Osnabrücker Produktion auf ihrem Stand stehen.

Nachfolgend die Fotos der Karmann-Fahrzeuge aus der Sonderausstellung und weitere „Karmänner“ auf anderen Ständen. Was sonst noch auf der BCM gab, gibt es in den nächsten beiden Teilen zu sehen.

 

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